Montag, 24. Februar 2014

Die Geschichte hinter den Geschichten?





Gegenwärtig kann man sich zwölf eBooks vom WORTWERFER downloaden. Weitere vier werden folgen, sobald dafür ebenso anregende wie aufregende Cover vorliegen. In einer größeren Runde fragte man mich letzte Woche, wie so was geht, wie man so viele Storys, Krimis, Romane und Sachbücher in so kurzer Zeit verfassen kann – und überhaupt!

Zunächst mal: Ein Teil dieser eBooks lag bereits seit vielen Jahren als gedrucktes Buch vor. Der größte Teil ruhte seit vielen Jahren zwischen zwei Aktendeckeln im Regal, weil ich gar keine Zeit hatte, mich um die Veröffentlichung zu kümmern. Und keine Lust, mich vor Verlegern in den Staub zu werfen, um flehentlich darum zu bitten, zu eigentlich unzumutbaren Konditionen eines der Werke als Buch zu veröffentlichen. Also die mehrfach lektorierte und korrigierte Word-Datei ohne weiteres Zutun auszudrucken, das Konvolut als Paperback binden zu lassen und das Erscheinen zu vermelden. Die Vermarktung liegt schon seit langem bei den Verfassern; es sei denn, ein geiler Titel verkauft sich von selbst. Die Logistik obliegt Fremdfirmen.

Ich sammle Menschen!
Wie sind meine Geschichten entstanden? Ich sammle Menschen! Menschliche Schicksale! In meinem Hauptberuf als Unternehmer-Berater, Trainer und Coach bin ich in mehr als 50 Jahren Tausenden Lebensschicksalen begegnet. Einige davon brannten sich in mein Gedächtnis ein – positiv, abschreckend, skurril, humorvoll. Manche heimlich – dann wuchsen die Erinnerungen wie Kristalle, wurden prägnanter, farbiger, phantastischer. Ein Beispiel:

In einem Fünf-Sterne-Grandhotel schickt sich eine arabische Großfamilie an, in einen der Lifte zu steigen. Anscheinend passen nicht alle der Tiefverschleierten hinein. Eine junge Frau im Tschador bleibt zurück, steigt mit mir in den Nachbarlift, fährt mit in den 7. Stock, steigt aus und rennt in das nächstbeste offen stehende Hotelzimmer, in dem gerade eine Maid den Abendservice verrichtet. Ausgebüxt, sagt man bei uns leichthin. Aber was geschieht, wenn eine junge Muslima abhaut? Das konnte man zehn Minuten später bereits im Foyer erleben: alles voller Polizei und aufgeregter Bodyguards. An der Rezeption erfuhr ich: Eine arabische Diplomatentochter sei entführt worden. Ich erlebte es anders. Jetzt ratterte mein Gehirn: Wie kommt die hier heil raus? Das können Sie lesen im eBook „Sefire – die Geschichte einer schier aussichtslosen Flucht“ (u.a. bei neobooks.com). Was man so als Kongress-Moderator in einem Grandhotel erlebt.

So beginnt fast jeder meiner Romane mit einer realen Begebenheit oder kristallisiert sich um eine „true story“. Zwei Kisten mit römischen Funden, Knochen, Scherben, Keramik führen zu „Truski“, dem Römermädchen vom Reitstein, weil auch Bayern eine „Ötzin“ braucht. Krebsangst treibt eine Frau von 54 nach einem freudlosen Leben in ein Sanatorium, in dem ich als Organisationsberater tätig bin und bei Tisch ihr gegenüber sitze. Man kommt ins Gespräch … und Jahre später entsteht der Roman „Das herbstrote Blatt“ (bei Shaker-Media, Aachen, Buch und eBook). Natürlich mische ich dann eine gehörige Portion Phantasie darunter. Daran mangelt es mir seit früher Kindheit nicht. Eine Tante warnte meine Eltern früh: „Da müsst Ihr aufpassen, der Werner schwindelt!“ Ich habe von Erlebnissen aus dem Biberschutzgebiet erzählt, wo ich meine Freizeit am liebsten verbracht habe – frühestes Jägerlatein!
In einem klandestinen Workshop in einem Kurhaus beraten Unternehmer, wie sie sich am besten auf die Frauenquote vorbereiten können. „Mein Kommissar“ Lothar Velmond gerät zufällig da hinein und es entsteht der Krimi „Männerquote“. Wer den WORTWERFER kennt, wundert sich nicht, dass alle Krimis unter die Kategorie „crime & fun“ fallen. Es darf auch gelacht werden.

eBooks sind angenehm und überall bequem zu lesen, sparen Papier und Platz, schonen die Wälder. Und die Autoren. Die brauchen sich nicht vor Verlegern in den Staub zu werfen. Was allerdings Qualitäts-Probleme mit sich bringt. Es scheint der ganz große Traum vor allem von Frauen zu sein, endlich ein Buch zu schreiben. Es gibt ohne Zweifel hervorragende Autorinnen, aber die wollten kein Buch schreiben, sondern spannend erzählen, eine Botschaft rüberbringen, stilistisch ohne Tadel, einfühlsam, grausam, authentisch.

Des WORTWERFERS eBooks erscheinen in der Mehrzahl zunächst bei www.neobooks.com und werden dann an den eBook-Handel ausgeliefert. Näheres bei www.ziele-siegert.de oder eMail: drwerner.siegert@web.de.

Dienstag, 18. Februar 2014

Zufälle – gibt’ die?




Es gibt Zufälle, bei denen sagt man sich: So kann es gehen! Glück gehabt – oder die Welt ist klein. Diesmal berichtet der WORTWERFER über eine Kette von Zufällen, die sich am Ende zu einem geradezu sagenhaften Zufall zusammenfügt. Aus dem Irgendwo und Irgendwie ergeben sich völlig unwahrscheinliche Handlungsstränge:

1. Die wunderschöne Stadt Dubrovnik, Weltkulturerbe, wird 1991 von Serben und Montenegrinern mit schwerer Artillerie und Schiffsgeschützen beschossen.
2. Ein Schulfreund von mir ist in Dubrovnik bei einem Deutschlehrer und Fremdenführer in dessen viele Jahrhunderte alten schlossähnlichen Wohnhaus zu Gast und durch den Krieg der Serben gegen die Kroaten und das Bombardement an jeglicher Weiterreise gehindert.
3. Ein Volltreffer lässt das Nachbarhaus bis auf die Grundmauern abbrennen. Im Wohnhaus des Gastgebers wird das Dach beschädigt. Um zu sehen, wie groß die Schäden sind, klettern Gastgeber und Gast mit einer Leiter auf den Dachboden. Dort liegt ein Haufen Schutt, nicht nur als Folge des aktuellen Beschusses, sondern offenbar aus „Jahrhunderten“.
4. Mein Schulfreund stochert in diesem Schutthaufen und findet eine dunkelgrüne, noch dreiviertel gefüllte Flasche mit unserem eingeprägten Familiennamen Siegert und den Initialen J.G.B..
5. Johann Gottlieb Benjamin Ziegert wurde 1796 in Großwalditz bei Loewenberg in Schlesien als Sohn des in zweiter Ehe verheirateten Johann Christoph Ziegert geboren. Er hatte sechs Schwestern und fünf Brüder, sowie aus der ersten Ehe seines Vaters wenige überlebende Geschwister von ursprünglich fünf Söhnen und vier Töchtern.
Sein Vater ließ die Söhne gut unterrichten. Sein 17 Jahre älterer Bruder Johann Christoph und er studierten in Berlin Medizin und wurden auch in diesem Fach promoviert. JGB, wie wir ihn der Kürze halber ab jetzt nennen werden, diente bei den Magdeburger Jägern und im Königlich-Preußischen Haupt-Provincial-Hospital. Später nahm er als Wundarzt am Feldzug gegen Napoleon teil, erlebte die Schlacht bei Waterloo und wurde mit der Kriegsmedaille von 1815 ausgezeichnet. Dann setzte er sein Studium fort, jetzt, nach dem Tode des Vaters, von seinem älteren Bruder finanziert, damals bereits Sanitätsrat in Halberstadt.
Als er von dessen Konto in Berlin 500 Dukaten abhob und 100 wohl für Spielschulden oder ähnliches abzweigte, kam es zum Zerwürfnis zwischen den Brüdern. JGB sollte in Halberstadt Rechenschaft ablegen, zog es aber vor, sich am 1. September 1819 nach Hamburg abzusetzen, wo er in einem Kreis hoher Offiziere verkehrte, darunter Graf Luckner, Graf v. Wackerbart und Baron v. Eben. Durch dessen Vermittlung lernte er den Geschäftsträger der jungen Republik Venezuela Lopez Mendez kennen, der ihn dafür begeistern konnte, als Venezolanischer Regiments-Chirurgus in die Dienste des Freiheitskämpfers Simon Bolivar zu treten.
6. Am 25. Februar 1820 schiffte er sich zusammen mit Baron v. Eben und weiteren Offizieren (u.a. Heinrich v. Lützow) auf einem Segler ein. Über einen Zwischenaufenthalt auf der Insel St. Thomas traf er im August 1820 in Angostura, der damaligen Hauptstadt der Provinz Guyana, ein. General Bolivar ernannte ihn zum Chefarzt des dortigen Militär-Hospitals. Als einziger Arzt in Angostura, dem späteren Ciudad Bolivar, wurde er bald auch Stadt-Physikus und Eigner der Stadt-Apotheke.
7. Es fehlte an Medikamenten, um der Seuchen Herr zu werden. So begann er, selber Mixturen zu entwickeln, von denen eine der uns heute noch bekannte und beliebte Angostura Bitter ist, der in keiner gepflegten Bar fehlen darf. Er schreibt darüber:
"Diesen Bitter präpariere ich hier seit dem Jahre 1824 als eine von mir erfundene Composition ... Die Etiketten auf diesen Flaschen sind in spanischer und englischer Sprache abgefasst ... bemerken möchte ich, daß dieser Bitter mit etwas Madeirawein, Rum, Cognac, Wacholder oder Kornbranntwein getrunken werden muß ... Des Morgens nüchtern oder vor dem Mittagessen genommen ruft dieser Bitter den vortrefflichsten Effekt hervor: Er belebt die Eßlust als auch die Verdauungskräfte, besonders bei hypochondrischen und hysterischen Personen auf eine sehr auffallende Weise. Gegen Blähungen, Magenerkältungen und Diarrhöen leistet er ebenfalls die ausgezeichnetsten Dienste ..."
8. Der „Angostura Bitter“ – nur echt mit dem nunmehr hispanisierten Namenszug „Juan Teofilo Benjamino Siegert“ dient nicht nur als Medizin, sondern erfreut sich bald großer Beliebtheit als unentbehrlicher Magenbitter und Zusatz zu Cocktails aller Art – bis heute. Begehrt war er alsbald auch an Kaiser-, Königs- und Fürstenhöfen sowie bei den Zaren in Petersburg. Briefwechsel dazu liegen bei uns vor.
9. Diese Zaren und ihre Familien verbrachten ihre Sommermonate häufig in Dubrovnik, und zwar in eben jenem „Palais“ mit wunderbaren Seeblick, in dem nun mein Schulfreund im Schutt auf dem Dachboden eine dieser sehr alten, ersten Original-Flaschen „Angostura Bitter“ gefunden hat. Er hat sie uns geschenkt! Tausend Dank!
10. Wenn Dubrovnik nicht beschossen worden wäre, wenn das „Palais“ nicht Schaden genommen hätte, wenn mein Schulfreund nicht mit dem kroatischen Fremdenführer befreundet und bei ihm zu Gast gewesen wäre, wenn er nicht mein Schulfreund gewesen wäre aus der ersten Abiturklasse nach 1945, wenn wir nicht vor der russischen Deportation in den Ural ins Rheinland geflohen und ich in die Klasse meines Freundes gekommen wäre, wenn mein UrUrUrOnkel nicht Geld unterschlagen und nach Angostura (heute Ciudad Bolivar) geflohen wäre und dort als Leibarzt, Armee-Medicus und Stadtapotheker den „Angostura Bitter“ gemixt hätte, wenn der nicht nach Russland an den Zarenhof oder irgendwie sonst ins Palais in Dubrovnik gelangt wäre und sich jemand auf dem Dachboden vielleicht heimlich einen angedudelt hätte, wenn, wenn, wenn … Solche Zufälle – gibt’s die?

„Angostura Bitter“, nur echt mit dem Namenszug Juan Benjamino Teofilo Siegert, gibt es heute noch in jedem qualifizierten Delikatessengeschäft. Wir haben jedoch nichts davon. Er wird nunmehr in Trinidad hergestellt, von Siegerts, die jedoch nicht verwandt sein sollen mit meinen Verwandten. Dort soll es sogar ein Siegert-Denkmal geben. Aber Nachkommen gibt es in aller Welt, auch in Deutschland. Auch in Facebook! verrät der WORTWERFER. Die Flasche ruht sicher im Safe. Nun mixt Euch mal einen Drink!

Sonntag, 2. Februar 2014

Mensch oder Mathe? Power oder PowerPoint?





„Und eine Lust ist’s, wie er alles weckt
und stärkt und neu belebt um sich herum.
Wie jede Kraft sich ausspricht, jede Gabe
gleich deutlicher wird in seiner Nähe!
Jedwedem zieht er seine Kraft hervor,
die eigentümliche, und zieht sie groß.
Lässt jeden ganz das bleiben, was er ist.
Wacht nur darüber, dass er’s immer sei,
am rechten Ort; so weiß er aller Menschen
Vermögen zu dem seinigen zu machen.“

Ein Zitat. Von wem hat es der WORTWERFER entliehen? Das wird erst zum Schluss verraten. Auf den Inhalt kommt es an; denn hier wird wahre Führungskunst beschrieben. Führen von was oder wem? Unternehmensführung erfolgt heute, außer in Familien-Unternehmen, kaum noch nach diesen Maximen, sondern nach mathematisch-statistischen Modellen der elitären Kader-Universitäten weltweit, aus denen die Drohnen der teuren Unternehmensberatungen in alle Welt entschwärmt sind und sich nun die Top-Manager der Konzerne und Banken rekrutieren. Die auf der Basis mathematisch-statistischer BWL-Modelle – dargestellt auf einer Flut von PowerPoint-Folien – die Anzahl der zu entlassenden Mitarbeiter (= Kostenfaktoren) bis in die letzte Stelle berechnen lassen. Über das Netz der Modell-Aufsichtsräte hat sich der Virus der mathematischen Unternehmensführung global verbreitet.

Benedikt Herles hat diesen „Schadensbericht aus unseren Chefetagen“ ebenso brillant wie erschütternd in seinem Buch „DIE KAPUTTE ELITE“ erstellt (Knaus-Verlag, 3. Auflage, München 2013). Er selbst hat diese PowerPoint-Karriere nach Business-Universität, Consultant-Elevenzeit plus Praktika und mathematischer Beratungs-Praxis durchlaufen und durchlitten. Er hat erkannt: Diese sich wechselseitig bestätigenden Führungs- und Beratereliten lassen niemanden verkommen – außer den Menschen in ihren Unternehmen.

Im letzten Kapitel, das Herles mit VISION übertitelt, beschreibt er das Wunschbild einer Unternehmensführung, die sich nicht an der BWL-Mathematik, sondern am Menschen orientiert. Aber das hatten wir doch schon mal? Human Resources Development? Meine Frau stutzte bei der Lektüre: „Das hast du doch den Bossen in hunderten Seminaren und Board-Room-Trainings vermittelt! Das steht doch alles in deinen Büchern und Trainings-Handbüchern!“ Ja – in der Tat! kann der WORTWERFER bestätigen.

Wann kam der Sündenfall? Weg mit dem so wenig berechenbaren Menschen! Es sind doch nur noch Bediener von Maschinen, Reste, die noch nicht von Automaten ersetzt werden können. Wieviele solcher Restposten wir brauchen, sagen uns die Algorithmen unserer Modelle.

Wie kommt es, dass die bedeutendste Wertschöpfung, dass die wichtigsten Innovationen in den Klein- und Mittelbetrieben, in den Familien-Unternehmen stattfinden? „Die Zukunft Ihres Unternehmens steckt in den Köpfen Ihres Unternehmens! Nirgends sonst!“ schrieb ich über eine Trainings-Unterlage. Ich war beileibe nicht allein. Die jährlichen Gallup-Reviews haben bestätigt, wie kümmerlich wenige Mitarbeiter vor allem in Großunternehmen wirklich engagiert arbeiten, wie viele stur nach Vorschrift und wie viele sogar destruktiv nach innen und außen wirken.

Die Rückkehr der Moral, die Gary Hamel in seinem Buch „Worauf es jetzt ankommt“ / Erfolgreich in Zeiten kompromisslosen Wandels, brutalen Wettbewerbs und unaufhaltsamer Innovation“ fordert (Wiley VCH, Weinheim 2012) ist bei den Weltunternehmen nicht angekommen. Dafür sorgt das Netzwerk der kaputten Elite.

Das Zitat stammt von Friedrich Schiller: Max Piccolomini rühmt Wallensteins Führungskunst gegenüber seinem Vater und Questenberg (Wallensteins Lager, 1. Aufzug, 4. Auftritt). Mit „Fack ju Schiller!“ lässt sich das nicht abschütteln, meint der WORTWERFER.

Montag, 27. Januar 2014

Tue das Wichtige vor dem Dringlichen?





Darf man sich verzetteln? NEIN! lautet der Mahnruf der Zeit- und Selbst-Manager, der Erfolgs-Strategen und gefühlten tausend Ratgeber-Bücher. KONZENTRIERE DICH! LASS DICH NICHT ABLENKEN!
Aber gelingt uns das auch? fragt der WORTWERFER. Die Diskussion im Münchner StrategieForum am 23. Januar nahm eine überraschende Wende. Zunächst herrschte Einigkeit: Wer sich verzettelt, wird seine Ziele sehr viel später oder nie erreichen. Ein persisches Sprichwort mahnt: „Wer alles erreichen will, wird als Meister des Nichts enden!“ Wer den geraden Weg zum Ziel einschlägt und sich nicht ablenken lässt, ist erfolgreicher. Dennoch gab fast jeder zu, dass er sich immer mal wieder und auch des Öfteren von dieser geraden Erfolgsspur ablenken lässt.

Ein banaler Grund: Es lockt eine angenehmere, lustvollere Tätigkeit (oder Untätigkeit). Man unterbricht dafür gar zu gern die Arbeit, vor allem dann, wenn sie gerade nicht glatt von der Hand geht. Von allem, was auf dem Schreibtisch liegt, wählt man das, was relativ das leichteste und schnellste Lusterleben verspricht. Mancher beschließt, angesichts einer unangenehmen Aufgabe erst mal seine Schreibtischschublade aufzuräumen. So reagiert nun mal unsere Psyche.

Ein anderer Grund: Es kommt etwas Dringlicheres dazwischen. Unvorhergesehen setzt ein anderer Termine, jemand der noch dazu Macht ausüben und Sanktionen verhängen darf, z.B. das Finanzamt. Da gibt es doch keine Zweifel – oder? Bei einem Davoser Management-Symposium gab man den Teilnehmern ein dunkelblaues Schild mit Golddruck als Souvenir mit auf den Heimweg:
DO THE IMPORTANT BEFORE THE URGENT!
Erledige das Wichtige vor dem Dringlichen! Was für ein doofer Spruch! Das geht doch gar nicht! Oder? Schreiben Sie doch mal spontan auf, was Ihnen wirklich ganz, ganz wichtig ist. Gesundheit, Partnerschaft, Finanzen, ein besonderes Ziel … so in etwa und viel mehr. Könnten Sie auch Termine dahinter notieren? Da treffen wir bei vielen einen Nerv! Das WICHTIGE setzt zumeist keine Termine. So können wir ausgerechnet das Wichtige immer wieder verschieben.
Ich empfehle Ihnen eine kleine Übung, ein Spiel? Sie legen einen Bleistift, Kugelschreiber oder Lineal in 90 Grad zur Schreibtischkante. Dann „verschieben“ Sie ihn diese Dinge kleinen Schüben in Richtung Abgrund. Auf einmal kippt der Stift. Er fällt zu Boden. Wir sprechen von einem KIPP-PHÄNOMEN. Da ist nichts mehr zu retten. Ein Gewässer kippt um. Aber auch Ihre so wichtige Gesundheit kann kippen, wenn Sie stets die Vorsorge-Untersuchung aufschieben. Ihre Partnerschaft kann kippen, wenn Sie gemeinsame Erlebnisse immer wieder verschieben. Ihr Ziel kann obsolet werden. Ein Examen kann vergeigt werden. Sie sind eventuell pleite. Dann ist nichts mehr zu retten.
DAS WICHTIGE SETZT KEINE TERMINE – ABER ES KANN KIPPEN!
Bei allem Ihnen Wichtigen müssen SIE die Termine setzen, und diese Ihre Termine dürfen Sie nicht nachrangig gegenüber den fremden behandeln. So erreichen Sie zumindest, dass das WICHTIGE nicht ständig zurücksteht gegenüber dem DRINGLICHEN. Nur was wichtig und dringlich zugleich ist, hat absoluten Vorrang.

Verzetteln kann aber auch ein Leben bereichern! Wer ständig nur auf einem Gleis unterwegs ist, immer nur auf derselben Strecke, der stellt sich nicht neuen Herausforderungen. Solches Verzetteln ist aber von anderem Kaliber. Sich noch einer anderen Aufgabe zu widmen fordert volles Engagement – und Termine. Es wird WICHTIG. Jeder muss für sich entscheiden, ob er neben seiner Hauptstraße zum Lebenserfolg noch eine weitere ausbauen kann. Meint der WORTWERFER.

Freitag, 10. Januar 2014

Eine Toleranz-Verordnung?





Toleranz zu erweisen, ist eine noble Geisteshaltung. „Ich bin zwar nicht deiner Meinung, ich übe auch daran Kritik, aber ich respektiere sie und werde für die Freiheit eintreten, dass du sie ohne Gefahren und Nachteile äußern kannst!“ Dasselbe gilt für Menschen anderer Hautfarbe, für andere Lebensentwürfe, andere Religionen, andere Bräuche. Wem Toleranz entgegen gebracht wird, von dem erwartet man die gleiche Haltung – in Wort und Tat.

Jetzt gerät diese Balance aus dem Gleichgewicht – und dies auf Initiative der Europäischen Union. Die noble Geisteshaltung soll durch Gesetze und Verordnungen erzwungen werden. Kritik, antagonistische Äußerungen, ja sogar kabarettistische Thematisierungen mit Bezug auf besonders schutzwürdige „Gruppen“ und Gruppierungen sollen verboten und strafbewehrt verfolgt werden. Jugendliche, die sich dem widersetzen, sollen in besondere Erziehungsmaßnahmen eingewiesen werden. Toleranz gegenüber den besonders herausgehobenen „Gruppen“ soll Inhalt besonderer Schulunterrichts-Einheiten werden. Die Medien sollen verpflichtet werden, regelmäßig einen bedeutsamen Teil ihrer Kapazität der Durchsetzung von Toleranz gegenüber den „Gruppen“ zu widmen.

Das glauben Sie nicht? Davon hätten Sie doch längst erfahren? Wer denkt sich denn so was aus? Der WORTWERFER erfuhr davon auf Umwegen. Ja, es gibt seit September 2013 …

„A European Framework National Statute for the Promotion of Tolerance“

das sogenannte „Toleranzpapier” des Europäischen Rates für Toleranz und Versöhnung, das klammheimlich, ohne dass deutsche Politiker oder die deutsche Presse davon Notiz genommen hätten, ins Europäische Parlament zur Beschlussfassung eingebracht wurde. Es beinhaltet nicht zuletzt auch durch seine dehnbaren und schwammigen Begriffe eine Einschränkung der Artikel 3 und 5 des Grundgesetzes, nämlich der Meinungs- und Pressefreiheit.
Und niemand regt sich bisher darüber auf! Aber das Papier ist Realität! Es wurde erarbeitet von den „Experten“ Yoram Dinstein (Vorsitz), Ugo Genesio, Rein Müllerson, Daniel Thürer und Rüdiger Wolfrum.

Toleranz-erheischende Gruppen bilden Menschen, die durch Rasse oder kulturelle Wurzeln, ethnische Herkunft oder Abstammung, religiöse Mitgliedschaft oder sprachliche Bande, Gender-Identität oder sexuelle Orientierung oder jegliche andere Charakteristika ähnlicher Art verbunden sind. Zu „eliminieren“ sind u.a. Antisemitismus, Antifeminismus und Homophobie.
Das Gefährliche an diesem Gesetzentwurf ist die Vermischung edler und selbstverständlicher Ziele mit tückischen Klauseln. Überdies liegt das Papier bisher nur in den EU-Amtssprachen Englisch und Französisch vor. Eine offizielle deutsche Übersetzung ist noch nicht bekannt. Daher ist der Text hierzulande kaum bekannt.

Die Toleranz des WORTWERFERS gegenüber der stillschweigenden Verabschiedung dieser Gesetzesvorlage durch das Europäische Parlament tendiert gegen Null. Der Internationale PresseClub München wird sich damit befassen. Der WORTWERFER hat eine Reihe deutscher Politiker angeschrieben, die besonders in der EU und Europa engagiert sind. Wo bleibt der Aufschrei?

Sonntag, 22. Dezember 2013

Mein Buch des Jahres




Mein Buch des Jahres?

Es hilft nichts! Der WORTWERFER hat versprochen, heute seine Entscheidung zu verkünden, welches sein Buch des Jahres gewesen ist. The winner is … two winners!

Ich unterscheide dabei zwischen einem „inneren Nutzen und Gewinn“ und einem hoffentlich „äußeren Nutzen und Gewinn“.
Zunächst jenes Buch, das mir selbst bei den wachsenden Selbstzweifeln eines alternden Menschen am spürbarsten geholfen hat. Es ist das Buch von Hans Küng „Jesus“ (bei Piper, 2012/2013). Kardinal Marx hat bei der Pressekonferenz am 20. Dezember im Münchner PresseClub, als ich ihn fragte, ob man nicht, je älter man wird, umso stärker von Zweifeln am Glauben geplagt würde, von seiner Mutter erzählt, die ihn kurz vor ihrem Tode gefragt hat: „Stimmt denn das alles, was ihr da verkündet?“ Der Zuckerguss des Kinderglaubens ist abgewaschen. Mit den Jahren hat die Kühnheit zugenommen, an manchen Auslegungen der Bibel und der Evangelien zu zweifeln. Namhafte Theologen, Historiker und Sprachforscher weiß man an seiner Seite. Das Weihnachtsevangelium nach Lukas entpuppt sich als eine wunderschöne, romantische Legende. Wer manche Liedertexte des „Gotteslobs“ bewusst auf sich wirken lässt, dem verschlägt es die Stimme. Heute, am 4. Advents-Sonntag waren es durchweg Texte aus der Zeit vor oder während des Dreißigjährigen Kriegs. Da war verständlicherweise von tiefer Not und Sehnsucht zu singen, der Messias möge kommen und uns (?) erlösen. Aber die Adventslieder klingen doch sooo schön und da möge man doch nicht dran rühren. Wenn der Gottesdienst eine museale, religionshistorische Veranstaltung sein soll, unreflektiert, dann ja. Aber es sind zur Zeit rund um uns 45,5 Millionen Flüchtlinge unterwegs. Advent = Ankunft – aber bloß nicht bei uns! Ist Jesus dabei?
Hans Küng hat mir zum ersten Mal in meinem langen Leben nahe gebracht, wie Jesus uns durch die Tat gelehrt hat (und Papst Franziskus dies wieder zur Forderung erhoben hat), „an die Ränder der Gesellschaft zu gehen“. Als privilegierter Gottessohn? Nein, als Mensch, der dafür den Tod erlitten hat. Küng hat mich gelehrt zu fragen: „Wie würde Jesus heute handeln? Und Du?“ Und nicht nach dem Ende des Zölibats und Tebartz van Elst. Schwer genug!

Ein Aufschrei!
Der Buchtitel mit dem erhofften äußeren Nutzen und Gewinn klingt nach den obigen Gedanken banal. Er ist es! Aber der Inhalt des Buches ist alles andere als banal. Er ist ein Aufschrei, um uns bewusst werden zu lassen, wie radikal (an die Wurzeln gehend) und systematisch das Christentum in Europa untergraben wird, u.a. von Regierungsseite mit Millionen Steuergeldern. Birgit Kelle fordert in ihrem Buch nicht nur „Dann mach doch die Bluse zu!“ (adeo, 2013) Ebenso könnte auf dem Titel stehen „Lasst Familie noch Familie sein!“ oder „Hört mit dem staatlich geförderten Gender-Quatsch auf!“, „Lasst Männer Männer sein, Frauen Frauen, Mädchen Mädchen und Jungs Jungs!“ Lasst uns jedenfalls die politische und existentielle Freiheit dazu. Vielen Dank, Frau Kelle! Fesselnder Stil – und für jeden, der Birgit Kelle live erlebt hat, das was die FAZ bewundert: „Rhetorisch brillant!“

Mein eigenes Buch des Jahres sei unbescheiden auch erwähnt: „Das Vorlesebuch für Demenzkranke“ (zusammen mit Ingrid Schumacher, bei Shaker-Media Aachen 2013),  für eine leider dramatisch wachsende Zielgruppe.

Ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein friedvolles Neues Jahr wünscht der WORTWERFER.

Samstag, 14. Dezember 2013

Man gönnt sich ja sonst nichts!





Welche Zeitung oder Zeitschrift auch immer der WORTWERFER seit einigen Monaten aufschlägt, stets überfallen ihn großflächige, prächtige Inserate, die für teuerste Uhren und Handtaschen werben. Gut – die Handtasche ist der Rolls Royce, Bugatti, Ferrari am Arm der Dame. Man muss ja zeigen, dass man es satt auf der Kasse hat. Guck mal, was ich mir leisten kann! Natürlich funktioniert das nur, wenn andere Kenner-Frauen zum Gucken daher kommen, die vor Neid erblassen und das einstige Preisschild des Luxusbeutels vor sich irrlichtern lassen: „Dafür hätte man sogar eine richtige Handtasche kaufen können! Und, und, und!“
Männer verstehen davon zu wenig. Banker, Vorstandsmitglieder, Immobilien-Makler müssen ohnehin dafür sorgen, dass ihre Gemahlinnen möglichst wenig mit dem normalen Fußvolk in Berührung kommen. Sie werden chauffiert, möglichst bis vor die Tür des Etablissements, wo sie sich huldigen lassen. Es sei denn, man lässt kommen und die edelsten Stücke im eigenen Salon ausbreiten. „Ach wissen Sie, es fällt mir echt schwer, jetzt eine Auswahl zu treffen. Lassen Sie einfach alles hier und schicken Sie die Rechnung an ……“. Man kann ja ohnehin nicht jeden Tag mit der selben Handtasche …, das geht ja nun wirklich nicht.
Und die Chronometer, die Uhren zu nennen, man sich ja schon schämen müsste? Wahnsinn – wie genau die ticken. Handmade. Natürlich aus der Schweiz. In tausend Jahren nur eine halbe Sekunde vor oder nach – also bis 3013 n.Chr.. Das wäre der Ferrari am Handgelenk! Natürlich nicht für den Alltagsgebrauch, sondern für das Safe, für die Sammlung und seltenes Repräsentieren. Opernbesuche, Bayreuth, Staatsempfänge, Charity-Bälle in Fünf-Sterne-Hotels, also durchweg Gelegenheiten, bei den man kaum zur Uhr gucken muss, um zu wissen, wie spät es ist. Allenfalls – was die Stunde geschlagen hat, wenn es in Vorstands- und Aufsichtsrat-Sitzungen zur Sache geht.

Demonstrativer Konsum = Kaufen, was man nicht braucht!
Demonstrativen Konsum nennt das der Finanz-Psychologe. Man muss sich abheben, und das wird umso teurer, je mehr sich auch der „gemeine fußläufige Mensch“ leisten kann und einem noch dazu die Neureichs auf den Fersen sind. Also auch die Fußballer, Filmsternchen und Lottogewinner. Äh!
Unsereiner schaut zur Uhr, weil man die S-Bahn noch erwischen muss. Oder der Babysitter abzulösen ist. Wie banal! Vielleicht ist man verabredet. Da reicht die Quarzuhr von Tschibo oder die Digitalanzeige im Smartphone. Und im Übrigen sind wir ja nur neidisch. Und wer so denkt, hat kein Mitgefühl mit den glitzernden Uhrengeschäften beziehungsweise ihren Betreibern und Angestellten. Die wollen ja auch leben. Das ist ein echtes Problem für die  gesamte Neiderzeugungs-Industrie.
Als der WORTWERFER seine erste Armbanduhr geschenkt bekam, zur Erstkommunion, da war das was! Durfte nur sonntags getragen werden, zum Kirchgang, aber nicht zum Spielen. Vooorsichtig mit dem Aufziehen! Die Feder könnte brechen. Lass das mal die Mama machen. Jetzt? Wieviele Uhren haben Sie, lieber Leser?  Und wieviel Zeit?
Und wie viele Uhren liegen in den Uhrengeschäften, Kaufhäusern, Souvenirläden, Bahnhofskiosken, die kaum eine Chance haben, gekauft zu werden? Überproduktion, Überangebote, wohin man nur schaut. Können wir uns das leisten? Wieso eigentlich? Das sind so Gedanken im Advent. Man könnte auch an Syrien denken, an die Taifunverwüstungen, an Lampedusa, Zentralafrika.
Wissen wir eigentlich, was die Stunde geschlagen hat? fragt der WORTWERFER.