Sonntag, 22. Dezember 2013

Mein Buch des Jahres




Mein Buch des Jahres?

Es hilft nichts! Der WORTWERFER hat versprochen, heute seine Entscheidung zu verkünden, welches sein Buch des Jahres gewesen ist. The winner is … two winners!

Ich unterscheide dabei zwischen einem „inneren Nutzen und Gewinn“ und einem hoffentlich „äußeren Nutzen und Gewinn“.
Zunächst jenes Buch, das mir selbst bei den wachsenden Selbstzweifeln eines alternden Menschen am spürbarsten geholfen hat. Es ist das Buch von Hans Küng „Jesus“ (bei Piper, 2012/2013). Kardinal Marx hat bei der Pressekonferenz am 20. Dezember im Münchner PresseClub, als ich ihn fragte, ob man nicht, je älter man wird, umso stärker von Zweifeln am Glauben geplagt würde, von seiner Mutter erzählt, die ihn kurz vor ihrem Tode gefragt hat: „Stimmt denn das alles, was ihr da verkündet?“ Der Zuckerguss des Kinderglaubens ist abgewaschen. Mit den Jahren hat die Kühnheit zugenommen, an manchen Auslegungen der Bibel und der Evangelien zu zweifeln. Namhafte Theologen, Historiker und Sprachforscher weiß man an seiner Seite. Das Weihnachtsevangelium nach Lukas entpuppt sich als eine wunderschöne, romantische Legende. Wer manche Liedertexte des „Gotteslobs“ bewusst auf sich wirken lässt, dem verschlägt es die Stimme. Heute, am 4. Advents-Sonntag waren es durchweg Texte aus der Zeit vor oder während des Dreißigjährigen Kriegs. Da war verständlicherweise von tiefer Not und Sehnsucht zu singen, der Messias möge kommen und uns (?) erlösen. Aber die Adventslieder klingen doch sooo schön und da möge man doch nicht dran rühren. Wenn der Gottesdienst eine museale, religionshistorische Veranstaltung sein soll, unreflektiert, dann ja. Aber es sind zur Zeit rund um uns 45,5 Millionen Flüchtlinge unterwegs. Advent = Ankunft – aber bloß nicht bei uns! Ist Jesus dabei?
Hans Küng hat mir zum ersten Mal in meinem langen Leben nahe gebracht, wie Jesus uns durch die Tat gelehrt hat (und Papst Franziskus dies wieder zur Forderung erhoben hat), „an die Ränder der Gesellschaft zu gehen“. Als privilegierter Gottessohn? Nein, als Mensch, der dafür den Tod erlitten hat. Küng hat mich gelehrt zu fragen: „Wie würde Jesus heute handeln? Und Du?“ Und nicht nach dem Ende des Zölibats und Tebartz van Elst. Schwer genug!

Ein Aufschrei!
Der Buchtitel mit dem erhofften äußeren Nutzen und Gewinn klingt nach den obigen Gedanken banal. Er ist es! Aber der Inhalt des Buches ist alles andere als banal. Er ist ein Aufschrei, um uns bewusst werden zu lassen, wie radikal (an die Wurzeln gehend) und systematisch das Christentum in Europa untergraben wird, u.a. von Regierungsseite mit Millionen Steuergeldern. Birgit Kelle fordert in ihrem Buch nicht nur „Dann mach doch die Bluse zu!“ (adeo, 2013) Ebenso könnte auf dem Titel stehen „Lasst Familie noch Familie sein!“ oder „Hört mit dem staatlich geförderten Gender-Quatsch auf!“, „Lasst Männer Männer sein, Frauen Frauen, Mädchen Mädchen und Jungs Jungs!“ Lasst uns jedenfalls die politische und existentielle Freiheit dazu. Vielen Dank, Frau Kelle! Fesselnder Stil – und für jeden, der Birgit Kelle live erlebt hat, das was die FAZ bewundert: „Rhetorisch brillant!“

Mein eigenes Buch des Jahres sei unbescheiden auch erwähnt: „Das Vorlesebuch für Demenzkranke“ (zusammen mit Ingrid Schumacher, bei Shaker-Media Aachen 2013),  für eine leider dramatisch wachsende Zielgruppe.

Ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein friedvolles Neues Jahr wünscht der WORTWERFER.

Samstag, 14. Dezember 2013

Man gönnt sich ja sonst nichts!





Welche Zeitung oder Zeitschrift auch immer der WORTWERFER seit einigen Monaten aufschlägt, stets überfallen ihn großflächige, prächtige Inserate, die für teuerste Uhren und Handtaschen werben. Gut – die Handtasche ist der Rolls Royce, Bugatti, Ferrari am Arm der Dame. Man muss ja zeigen, dass man es satt auf der Kasse hat. Guck mal, was ich mir leisten kann! Natürlich funktioniert das nur, wenn andere Kenner-Frauen zum Gucken daher kommen, die vor Neid erblassen und das einstige Preisschild des Luxusbeutels vor sich irrlichtern lassen: „Dafür hätte man sogar eine richtige Handtasche kaufen können! Und, und, und!“
Männer verstehen davon zu wenig. Banker, Vorstandsmitglieder, Immobilien-Makler müssen ohnehin dafür sorgen, dass ihre Gemahlinnen möglichst wenig mit dem normalen Fußvolk in Berührung kommen. Sie werden chauffiert, möglichst bis vor die Tür des Etablissements, wo sie sich huldigen lassen. Es sei denn, man lässt kommen und die edelsten Stücke im eigenen Salon ausbreiten. „Ach wissen Sie, es fällt mir echt schwer, jetzt eine Auswahl zu treffen. Lassen Sie einfach alles hier und schicken Sie die Rechnung an ……“. Man kann ja ohnehin nicht jeden Tag mit der selben Handtasche …, das geht ja nun wirklich nicht.
Und die Chronometer, die Uhren zu nennen, man sich ja schon schämen müsste? Wahnsinn – wie genau die ticken. Handmade. Natürlich aus der Schweiz. In tausend Jahren nur eine halbe Sekunde vor oder nach – also bis 3013 n.Chr.. Das wäre der Ferrari am Handgelenk! Natürlich nicht für den Alltagsgebrauch, sondern für das Safe, für die Sammlung und seltenes Repräsentieren. Opernbesuche, Bayreuth, Staatsempfänge, Charity-Bälle in Fünf-Sterne-Hotels, also durchweg Gelegenheiten, bei den man kaum zur Uhr gucken muss, um zu wissen, wie spät es ist. Allenfalls – was die Stunde geschlagen hat, wenn es in Vorstands- und Aufsichtsrat-Sitzungen zur Sache geht.

Demonstrativer Konsum = Kaufen, was man nicht braucht!
Demonstrativen Konsum nennt das der Finanz-Psychologe. Man muss sich abheben, und das wird umso teurer, je mehr sich auch der „gemeine fußläufige Mensch“ leisten kann und einem noch dazu die Neureichs auf den Fersen sind. Also auch die Fußballer, Filmsternchen und Lottogewinner. Äh!
Unsereiner schaut zur Uhr, weil man die S-Bahn noch erwischen muss. Oder der Babysitter abzulösen ist. Wie banal! Vielleicht ist man verabredet. Da reicht die Quarzuhr von Tschibo oder die Digitalanzeige im Smartphone. Und im Übrigen sind wir ja nur neidisch. Und wer so denkt, hat kein Mitgefühl mit den glitzernden Uhrengeschäften beziehungsweise ihren Betreibern und Angestellten. Die wollen ja auch leben. Das ist ein echtes Problem für die  gesamte Neiderzeugungs-Industrie.
Als der WORTWERFER seine erste Armbanduhr geschenkt bekam, zur Erstkommunion, da war das was! Durfte nur sonntags getragen werden, zum Kirchgang, aber nicht zum Spielen. Vooorsichtig mit dem Aufziehen! Die Feder könnte brechen. Lass das mal die Mama machen. Jetzt? Wieviele Uhren haben Sie, lieber Leser?  Und wieviel Zeit?
Und wie viele Uhren liegen in den Uhrengeschäften, Kaufhäusern, Souvenirläden, Bahnhofskiosken, die kaum eine Chance haben, gekauft zu werden? Überproduktion, Überangebote, wohin man nur schaut. Können wir uns das leisten? Wieso eigentlich? Das sind so Gedanken im Advent. Man könnte auch an Syrien denken, an die Taifunverwüstungen, an Lampedusa, Zentralafrika.
Wissen wir eigentlich, was die Stunde geschlagen hat? fragt der WORTWERFER.

Montag, 18. November 2013

Das Hohelied der Reparatur




Wer ist Wolfgang M. Heckl? Zunächst einmal – das verrät er in seinem Buch „Die Kultur der Reparatur“ (bei Hanser, München 2013) – ein leidenschaftlicher Bastler, Aufschrauber, Hineingucker, Reparierer. Auf vielen Seiten lässt er uns teilhaben an geradezu spannenden Abenteuern, wie er total veraltete, obsolete Maschinen und Gegenstände, aber auch Dinge des täglichen Bedarfs erfolgreich reparieren konnte. Glückshormone werden üppig ausgeschüttet.
Prof. Dr. Wolfgang M. Heckl ist Generaldirektor des Deutschen Museums in München und Inhaber des Oskar-von-Miller-Lehrstuhls für Wissenschafts-Kommunikation an der TU München. Ausgezeichnet mit vielen internationalen Preisen.
Für eine stetig wachsende Zuschauerzahl des Sonntags-Stammtisches im 3. Programm des Bayerischen Fernsehens mit Helmut Markwort und dem Karikaturist Dieter Hanitzsch und Gästen ist Professor Heckl Stammgast von 11 bis 12 Uhr in ihren Wohnzimmern, mitschuldig an verspäteten oder angebrannten Mittagsmahlzeiten. Stets bringt er irgendein technisches Beutestück vom Flohmarkt mit, das er wieder zum Leben erweckt hat.

Reparieren ist für ihn nicht nur eine Weltanschauung, sondern auch und insbesondere ein Überlebenskonzept unserer ausgebeuteten Erde. Es geht einher mit einer Kampfansage an die bequeme und verdummende Wegwerfgesellschaft. Obsoleszenz heißt der Hauptgegner, geplante Zerstörung kurz nach Ablauf der Garantiefristen, oder modisch aufgedrängt, weil optisch veraltet, dem Hype geschuldet, weil Angeber stets mit dem Neuesten und Teuersten protzen wollen. Viele Geräte des Alltags lassen sich gar nicht mehr aufschrauben. Das ist gewollt, aus Sicherheitsgründen, aber auch, weil sie weggeworfen werden sollen. Und bei modernen Autos stoßen selbst leidenschaftliche Schrauber an ihre Grenzen.

Oft ist die Reparatur teurer als der Neukauf!

Reparieren steht aber auch gegen den Fortschritt; denn zumeist steckt in dem Neuen auch die neueste Technologie, die Miniaturisierung, die bessere Energieausbeute, eine Multi-Funktionalität, am prägnantesten erlebbar an der Entwicklung des Mobiltelefons. Der Wortwerfer hatte sich einst strafbar gemacht, als er mit einem Holzklotz-großen Prototyp aus dem Wiesbadener Kurpark mit seiner Frau im Rheinland telefonierte. Das Delikt: Störung des öffentlichen Funkverkehrs. Heute kann man mit dem Smartphone zwar auch noch telefonieren, aber es verfügt über gefühlte hundert weitere Fähigkeiten - zugefügt durch „Apps“ -, von denen die allermeisten nie oder seltenst gebraucht werden. Aber sie enthalten wertvollste, knappe Rohstoffe – und sollen dennoch im Interesse der Hersteller nach spätestens einem Jahr obsolet sein, weil dann das allerneueste Modell verkauft werden muss, um Arbeitsplätze zu sichern.

Das können wir uns nicht mehr leisten, warnt Professor Heckl. Um Arbeitsplätze zu sichern, kommt es zu gigantischer Überproduktion von fast allem – was dann unter Wert verwertet, verramscht und zerstört werden muss. Auch die vermeintliche Energie-Ersparnis erweist sich als trügerisch, wenn man die ganze Kette der Herstellung, vom Abbau der Rohstoffe, ihren Transport, ihre Transformation, ihre Vermarktung, Verpackung und schließlich die Kosten ihrer Entsorgung berücksichtigt – ihre Gesamt-Ökobilanz.

Zur Kultur der Reparatur gehören für Heckl auch die immer zahlreicheren Zusammenschlüsse von Bastlern und Reparierern in lokalen Repair-Cafés und ähnlichen Einrichtungen, von denen einige im Anhang aufgeführt sind – zugleich als erfolgreiche Reparaturbetriebe sozialer Beziehungen.

Aus der Leidenschaft fürs Reparieren wird die Notwendigkeit der Reparierbarkeit als Überlebenskonzept. Aus allen Kapiteln in Heckls Buch spricht diese Botschaft, die uns auch aus dem Geschehen der Natur eindrucksvoll erreicht: Reparieren ist das Grundprinzip, Wegwerfen der Tod. Ein lehrreiches, mahnendes, aber auch vergnügliches Buch – vorzüglich als Weihnachtsgeschenk für die junge Generation.

Freitag, 1. November 2013

Männerquote – ein Wirtschaftskrimi





So heißt der Wirtschaftskrimi, den der Wortwerfer gestern bei neobook als eBook veröffentlicht hat. Ist der Titel nur eine Provokation? Nur ein Gag? Keineswegs!
Wie kommt ein solcher Wirtschaftskrimi zustande?
Die Idee kam uns, meiner leider inzwischen verstorbenen Muse Ingrid Schumacher und mir, als wir das gesellschaftskritische Sachbuch „Supermacht Frau / Sind die Männer noch zu retten? (bei Amalthea/Signum Wien – München 2011) verfassten. Sie wurde konkretisiert durch die monatelangen Diskussionen zu einer gesetzlichen oder flexiblen Frauenquote. Wer überdies über 40 Jahre seines Berufslebens im Bereich der Unternehmensführung tätig war, zuletzt als Trainer, Berater und Coach, der kennt die Männerwelt, der kennt aber auch die tüchtigen, fleißigen, umsichtigen Frauen, die den Männern die Voraussetzungen für ihre Erfolge schaffen. Der Wortwerfer hat mehrere Hundert Führungs-, Management- und Selbstmanagement-Seminare durchgeführt, darunter auch zahlreiche für Chefassistentinnen und Sekretärinnen. Da lernt man beide Seiten kennen, Kommunikationsprobleme, Überforderungen, Zumutungen und die Untiefen der Charaktere. Im Umgang mit Frauen offenbaren sie sich sehr deutlich.
Im Laufe der Jahre wurden die Frauen selbstbewusster, stärker, kompetenter, ehrgeiziger. Sie kannten sich früher mit der EDV aus als ihre Chefs und oft besser auch im Wirtschafts- und Sozialrecht, schließlich auch in der Materie des Unternehmens. Irgendwann entspricht es den realen Gegebenheiten, dass sie nicht mehr nur dienen, Kaffee kochen und die Grünpflanzen pflegen wollen. Sie möchten nach oben. Und stoßen gegen die „gläserne Decke“. Da sind die Männer, und die wollen ihre Plätze nicht räumen. Und träumen von ihrer ewigen, fast gottgegebenen Führungsrolle – die sie längst verloren haben.
Ein wunderbarer Krimi-Stoff!
Für einen Krimi „Männerquote“ waren also alle Voraussetzungen gegeben. Zuerst sollte es eine Satire werden. Aber schnell wurde es ernst, wenn auch stellenweise zum Lachen. Ingrid und ich fixierten die Ausgangs-Situation: Eine viel schillernde Quotenfrau, attraktiv, Muslima, promoviert, sollte den Vorstand zieren. Für sie wurde eigens das neue Ressort „Compliance“ geschaffen. Aber am Tag ihres Dienstantritts liegt sie tot in ihrer Wohnung. Zeitgleich findet jemand im Grünwalder Forst auf einer Bank den toten Chefingenieur und Erfinder Dr. Hanselmann. Das Produkt der Firma: mobile Klein-Solargeräte, mit Hilfe derer Familien in sonnenverbrannten Entwicklungsländern Strom fürs Kochen und den Fernseher generieren können. Ein Riesengeschäft. Da geht ohne Schmiergeld nichts – und da soll nun ausgerechnet eine Frau, eine Türkin noch dazu, für Gesetzestreue und saubere Geschäftsabwicklung sorgen?
Ein wunderbarer Krimi-Stoff. Kapitel für Kapitel schrieb sich wie von selbst. Jede Woche diskutierten wir, wie es weiter gehen könnte. Dann starb Ingrid Schumacher.
Ich habe es als mein Vermächtnis angesehen, das Werk zuende zu bringen. Wie immer beim Fabulieren brodelt nachts die Ideenküche. Tagsüber wird getippt. „Wer war es?“ blieb selbst mir lange Zeit verborgen, bis die Logik des Geschehens einen Sog entfaltete, atemlos bis tief in die Nächte musste es nur noch in die Tasten gehämmert werden.
Männerquote? Es sterben mehr Männer als Frauen. Frauen ziehen die Strippen. Die Männer bekommen Angst. Mehr wird nicht verraten.
Männer müssen her, die wirklich Männer sind, keine Machos, keine verzogenen Spätpubertierer. Meint der Wortwerfer.

Freitag, 11. Oktober 2013

Lesen: 4 minus!



Lesen: 4 minus!
Deutsche zwischen 16 und 65 landen beim Verständnis überwiegend leichter Texte im internationalen Vergleich von 24 Kulturnationen nur auf dem 17 Platz, weit unter dem Durchschnitt. Das ist aus dem ehemaligen Land der Dichter und Denker geworden. Wie kann das passieren?
Ingrid Schumacher und der WORTWERFER haben 2012 im Buch „Supermacht Kids / Lassen wir uns unsere Kultur kaputt machen? auf mehrere Ursachen hingewiesen. Unter anderem heißt es da:
„Die Schule setzt die Ansprüche an die Kenntnis und Praxis der Hochsprache herab. Der Grund: Immer weniger Kids … schreiben fehlerfreie Klassen- und Hausaufgaben. Eine wachsende Zahl von Schülern und Schülerinnen beherrscht die Rechtschreibung und Zeichensetzung nicht. Ihnen unterlaufen nach den traditionellen Anforderungen in den Klassenarbeiten so viele Fehler, dass die Arbeiten nach den Vorgaben der Kultusministerien nicht anerkannt werden können. Was tun? Die Antwort: milder zensieren! Manche Fehler nicht in die Zensur einbeziehen! Quasi wird die Entscheidung, mehr oder weniger zu lernen, an die Kids übertragen. Kids! Wollt Ihr lieber mehr und anstrengender lernen oder weniger und leichter? Wir von der Kultusbehörde richten uns nach Euch! ….
Sogar Chefs können kein Deutsch mehr!
An Hochschulen dürfen schon lange nicht mehr Rechtschreib- und Zeichensetzungsfehler in Prüfungsarbeiten, Diplomarbeiten und Dissertationen in die Begutachtung einbezogen werden. Das Resultat beklagen Sekretärinnen in fast sämtlichen Instituten, Organisationen und Unternehmen: Ihre Chefs beherrschen kein Deutsch, was sich nach der Rechtschreibreform noch verschlimmert hat. Sie benötigen wie in früheren Zeiten „Schreiber/innen“, die ihre Briefe und Texte fehlerfrei tippen.
Mit dem Schreiben stirbt das Lesen - und umgekehrt
Unternehmen, die händeringend nach Lehrlingen suchen, klagen über mangelnde Grundkenntnisse im Lesen, Schreiben und Rechnen. Die Schule wird ihren Ansprüchen nicht mehr gerecht. Azubi sollten „fachlich Auszubildende“ sein, nicht solche, denen man zunächst einmal die erforderlichen einfachen Grundkenntnisse beibringen muss, damit sie Anleitungen lesen und verstehen, damit sie in ganzen Sätzen antworten können und einfache Rechnungsarten fehlerfrei beherrschen; denn jeder Fehler führt zu teurem Ausschuss, zu Verlusten. Wer nicht lesen kann, kann nicht gebildet werden, kann auch nicht aus-gebildet werden.
Jedoch auch das Lesen stirbt aus, wenn auch von der Leipziger Buchmesse 2012 ein Ansturm von Jugendlichen gemeldet wurde. Welche Kids waren dies? Die Antwort fällt leicht: Jene, die von Kind auf Lesen gelernt und Bücher als selbstverständliche Lebensbegleiter wahrgenommen haben. Dies sind auf die Gesamtzahl der 8 bis 18jährigen immer weniger. Mehr und mehr leben als „digital natives“ in der Computer-Welt, kurz und flüchtig, in einer Welt der Animationen. Auch Comics und Mangas mit ihrer Sprechblasen-Kultur müssen in diesem Zusammenhang erwähnt werden.
Was jedoch von Kindheit an nicht gelernt und permanent angewendet wird, bildet sich im Gehirn zurück. Jeder kann das an sich selbst prüfen. Welche anspruchsvolleren Rechnungsarten beherrscht er noch? Wie zum Beispiel das Wurzelziehen mit Papier und Bleistift? Der schnelle Griff zum Taschenrechner hat die Fähigkeit im Gehirn verkümmern lassen. Das geschieht auch bei vielen Kids mit dem Lesen und dem Schreiben. Später verkümmerte Fähigkeiten wiederzubeleben, ist außerordentlich schwer, vor allem, wenn es der Laptop, das iPad und eine Flut von weiteren elektronischen Apparaten soviel leichter macht.“
Ein ehemaliger Gymnasialdirektor, der „Supermacht Kids“ gelesen hat, gratulierte gestern anlässlich eines Empfangs dem WORTWERFER zu dieser – leider – sehr zutreffenden Analyse unserer gesellschaftlichen Situation.
Wenn es nun um die Bildung der Erwachsenen in Deutschland schon so schlecht bestellt ist, wie soll sich dann die Jugend entwickeln? Und wie könnte sich jemals wieder etwas zum Besseren wenden? fragt SIE der WORTWERFER?

Donnerstag, 3. Oktober 2013

Liebe und Urvertrauen in die Tonne?




Fragen wir heute Kinder im Alter von 8 Jahren aufwärts, was ihnen spontan einfällt, wenn sie das Wort „Liebe“ hören, dann drucksen sie allenfalls rum, sofern sie nicht kichernd sofort „Sex“ nennen. Liebe ist abgestempelt als ein romantisches Relikt, gehört in kitschige Filme von Rosamunde Pilcher. Verliebt sein ist identisch mit verknallt sein, und es vergeht wieder wie ein Knall. Wer wagt es - und was brächte es - mit Kids über wahre Liebe, über Urvertrauen zu sprechen? Die Mutter mit dem schier zusammengebrochenen Teenager, von dem sich der Freund, die Freundin getrennt hat - per SMS? Können Tausende Facebook-Freunde Urvertrauen schenken? Schon die Frage ist absurd.

Dokumente der Liebe - ab in den Reißwolf?
Was ist passiert? Die Leiden des jungen Werther? Das in seinem Tiefsten getroffene Gretchen im Kerker? Regale voller Romane, Tragödien, Lyrik, geboren aus tiefstem Liebesempfinden, Regale, die schier bis ins Unendliche reichen, stürzen ab in die Musealität, Zigtausende dieser Liebesdokumente wandern in Papiertonnen und den Reißwolf. Niemand will sie mehr haben, weil sie niemand mehr versteht.
Die unverbrüchliche Liebe, durch Dick und Dünn, scheint wie weggespült. Sartre soll gesagt haben: „Ich liebe dich, heißt, ich will dereinst auch deinen Rollstuhl schieben!“
Ja, hallo, hast du noch alle? Das ist vorbei, vergangene Zeiten! Das wird irgendein Zivi oder sowas ähnliches besorgen, finanziert von der Pflegeversicherung. Oder ich bringe mich vorher um. Mich an jemanden binden, bloß weil ich Sex will oder versorgt werden, eine warme Bude vorfinden will? Wozu eine Kuh kaufen, wenn ich doch an jeder Ecke ein Glas Milch haben kann?“ ist ein typischer Ü-Kids-Spruch.

Liebe ist Urvertrauen - Urvertrauen ist Liebe
Nun geraten auch die meisten Erwachsenen in Verlegenheit, wenn man sie bittet zu definieren, was sie unter Liebe verstehen. Es ist sicher stark verkürzt, aber bedenkenswert, zu formulieren: Liebe ist Urvertrauen. Wer sein Kind liebt, schenkt ihm Urvertrauen, so lange es geht.
Manchen Lesern sind vielleicht die Gänsefüßchen am Anfang und Ende des vorigen Textes aufgefallen. Der WORTWERFER hat zitiert, und zwar aus dem Buch „Supermacht Kids / Lassen wir uns unsere Kultur kaputt machen?“ (München 2012) von Ingrid Schumacher† und Werner Siegert.
Liebe und Urvertrauen sind tragende Säulen unserer Kultur. Verschwindet eins oder beides aus unserm Alltag, geht unsere unter Schmerzen, Opfern, Niederlagen und Katastrophen in Jahrhunderten geborene Kultur verloren. Unwiederbringlich! Was ist zu tun?
„Willst du eine Nation zerstören, muss du ihre Familien zerstören!“ lautet der zynische Rat an machtgierige Herrscher. Dass die Evangelische Kirche Deutschlands 160 Seiten benötigt, um zu definieren, was evangelische Christen unter „Familie“ zu verstehen haben, markiert diesen Zerfallsprozess. Dass es wichtiger ist, die Mutter wieder an die Werkbank oder den Schreibtisch zu bringen, als dem Kind in den wichtigsten ersten drei Lebensjahren Liebe und Urvertrauen zu schenken, lässt die Frage aufkommen: Wer will da unser Land zerstören? Zerstört es sich am Ende selbst durch Werteverlust? Ist es die Supermacht der Ü-Kids, die sich durch eben diese Werte ü-berfordert fühlen. Macht kaputt, was euch kaputt macht?
Wollen Sie mehr darüber lesen? „Supermacht Kids“, www.signumverlag.de

Samstag, 28. September 2013

Kriminalität, Drogen, Gewalt - wer schrieb dies und wann?



„Wenn man die gesellschaftliche Situation in den europäischen Industrieländern betrachtet, so lassen sich einige besorgniserregende Symptome von Fehlverhalten (insbesondere bei Jugendlichen) feststellen: steigende Kriminalität, zunehmende Drogenanfälligkeit, starke Ideologieanfälligkeit der Jugend sowie ihre Neurotisierung. Die Kriminalität tritt immer öfter auch schon bei Kindern auf und ist immer häufiger mit Gewaltanwendung gegen Personen verbunden. Erschreckend ist die Häufigkeit vordergründig sinnloser Akte der Zerstörung, die aus dem Empfinden der Sinnlosigkeit des Lebens resultieren.
Der stark angestiegene Drogenkonsum steht in Beziehung zu der steigenden Kriminalität und hat ähnliche Ursachen. Er erzeugt ein künstliches Innenleben, das imstande ist, das Gefühl der Sinnlosigkeit der eigenen Existenz ebenso zu verdrängen, wie dies die kriminelle Handlung tut. Auch die ideologische Polarisierung der heutigen Jugend hat einen nicht zu unterschätzenden Bezug zum Verlust des Sinns des Lebens, bietet sie doch Ersatzlösungen für den Wunsch nach Sinngebung an. Jedoch birgt die Ideologisierung die Gefahr in sich, dass sie die Gemeinschaft zerstört, was besonders angesichts des hohen Technisierungsgrades der heutigen Gesellschaft äußerst gefährlich ist. Die wachsende Neurotisierung schließlich hat insofern schwerwiegende Konsequenzen, als sie beim einzelnen Menschen zum Verlust der Liebesfähigkeit führt. Sie trägt damit dazu bei. dass die Entwicklung der eigentlichen menschlichen Anlagen gehemmt wird .........
Besonders bezeichnend ist auch der Zerfallsprozess, dem die Familie ausgesetzt ist. Er hängt eng zusammen mit der Erscheinung, dass die Leitbilder von Mann und Frau aneinander angepasst werden. Diese Entwicklung führt zu einer wachsenden Verhaltensunsicherheit der Eltern, die sich besonders negativ auf die Erziehung der Kinder auswirkt.
Auch das Wirtschaftssystem übt einen gravierenden Einfluss aus: Der fortlaufende Anreiz, Bedürfnisse möglichst rasch und umfassend zu befriedigen, führt zu einer Fixierung der Infantilität bzw. zu einer Regression in die Infantilität.“

Lassen wir uns unsere Kultur kaputt machen?
Dieses Zitat befindet sich im Buch „Supermacht Kids / Lassen wir uns unsere Kultur kaputt machen?“ von Ingrid Schumacher und mir (bei Amalthea-Signum Wien – München 2012, 174 S. geb.). Im SPIEGEL SPEZIAL vom 25.9.2013 finden wir ein Gespräch mit dem Jugendpsychiater Dr. Michael Winterhoff („Ein furchtbares Leben“) über die emotionale Unreife, die fehlende Empathie und den akuten Seelennotstand jenes Teils der heutigen Kids zwischen 8 und 18 Jahren, die wir im Buch als Ü-Kids bezeichnet haben. Ü ist die Abkürzung von Überforderung. Diese Kinder und Jugendlichen können den Anforderungen der heutigen Gesellschaft – Fleiß, Lernbereitschaft, Zuverlässigkeit, Verantwortung, Wertebewusstsein u.a. – nicht nachkommen, weil sie im psychischen Wachstum zurückgeblieben sind, während sie zu Mordskerlen herangefüttert und „gepampert“ wurden. Nun widmet sich auch die SZ dem Phänomen der Gewalt in den Beziehungen Jugendlicher. In unserem Buch gehen wir das Problem umfassend an.

Wen hat der WORTWERFER zu Anfang zitert? Ich entnahm diesen Absatz dem Buch „Krank an der Gesellschaft“ (Stuttgart 1973) von Prof. Dr.theol. und Dr.med. Rudolf Affemann, dem damaligen Leiter des Instituts Mensch und Arbeit, Stuttgart.
Seit 40 Jahren haben sich die Verhältnisse nur verschlimmert. Die Gründe lesen Sie in unserem Buch.