Montag, 3. Juni 2013

Dein Buch - Dein Glück?




„In drei Monaten zum eigenen  B u c h !“ Das wirft den WORTWERFER schier um. Mit dem eigenen Buch scheint die große Seligkeit auszubrechen. Das eigene Buch mit dem eigenen Namen in Händen zu halten, ist offenbar die höchste Form von Glück. „Ich will ein Buch schreiben!“ Ja, toll! Dann nichts wie hin ins  W e b i n a r  gratis, wenn’s geht. Aber hallo: Man kann kein Buch schreiben! Ein Buch, das sind Texte zwischen zwei Pappdeckeln oder neuerdings elektronisch lesbare Dateien. Und was soll, bitteschön, in diesem Buch zu lesen sein?
Ich gebe ja zu: Es war ein Glücksgefühl, das erste eigene Buch in Händen zu halten, und gleichzeitig der Schnellstart ins Reich der Illusionen. Warum – zum Teufel – weiß am nächsten Tag, in der nächsten Woche, im nächsten Monat noch kaum jemand von meinem Buch? Warum werde ich nicht berühmt?
Natürlich gibt es  B e s t s e l l e r . Es gibt sogar Rezepte, wie man einen Bestseller verfasst. Die unter Garantie nicht funktionieren, auch wenn sie von einem Bestseller-Autor stammen. Man nehme einen hocherotischen, leicht pornografischen Titel … lasse die Sau raus. Okay – versuchen Sie’s. Wer zählt die vielen peinlichen, vergeblichen Versuche? Aber der raffinierte Titel macht schon was her.
Ein Rezept, das offenbar den Erfolg einigermaßen garantiert, ist nicht jedermann, jederfrau zugänglich: P r o m i n e n z ! A d e l ! S t a r ! Ist Ihnen eines davon beschieden, dann brauchen Sie das Buch nicht einmal selber zu verfassen. Dafür betrauen Sie eine „Edelfeder“. Die Rezensenten liegen Ihnen zu Füßen. Der Buchhandel legt Sie flach. Auch wenn der Inhalt eher dürftig ist.
So Sie nicht prominent sind, täuschen Sie sich nicht: Das Verfassen eines Buches von der ersten Idee bis zur letzten Seite nimmt etwa 5 Prozent der gesamten Zeit in Anspruch. Weitere 5 Prozent widmen Sie der Suche nach einem Verlag, einschließlich der Vertragserfüllung. Und die restlichen 90 Prozent? Vornehm sagt man dazu „Buch-Marketing!“ Mit viel, sehr viel Glück übernimmt das sogar der Verlag. Dann gehen Sie auf Lese-Reisen! Super! Sie haben es geschafft! Die meisten Verlage jedoch erwarten, dass der Autor sich selbst um seinen Erfolg kümmert. Sie stapeln ihm eventuell auch noch hundert Pflichtexemplare in die Wohnung! K r e a t i v e  haben damit ihre Probleme! Schreiben, Fabulieren, Dichten, Ersinnen – ach, das ist eine Lust! Doch was dann kommt, ist ihnen Frust. Um Aufmerksamkeit buhlen - welch’ ein Abstieg in die Niederungen des Mammon! Das eBook – ein Ausweg? Ja, lässt sich aber so schlecht anfassen.

Wenn Sie vor Tatendrang bersten, vor Mitteilungsdrang platzen, leidenschaftlich gern um Formulierungen ringen, eine Botschaft im Kopf haben, Spannendes vermitteln wollen, Emotionen entfesseln, die Welt verbessern wollen, komme, was wolle … dann brauchen Sie kein Webinar, kein Seminar! Nur eine möglichst ungestörte Klause, Ausdauer und das Überwinden von Krisen! Alles das wünscht Ihnen der WORTWERFER!

Samstag, 1. Juni 2013

Der seelenlose Algorithmus




1. Juni 2013


Heute werfe ich mal das Wort „A l g o r i t h m u s“ in die Debatte. Der ist der Endung zufolge männlich, aber er ist kein Mann. Er ist gar kein Mensch. Nicht nur das: Er ist unmenschlich. Und beginnt, über uns zu herrschen.
Früher schürte man die Angst vor dem  H o m u n c u l u s , dem künstlich geschaffenen Menschen, der sich gegen seine Schöpfer richten könnte. Hallo: Da ist er längst! Er heißt Algorithmus. Ist von Menschen erschaffen, und wendet sich gelegentlich - nur gelegentlich? – gegen sie.
Im Klar-Deutsch heißt das dann: „Da können wir gar nichts gegen machen. Das ist nun mal so in unserem Computer. Wir würden Ihnen ja gern entgegen kommen, aber – schulterzuck, schulterzuck – das ist der Algodingsbumms. Wir haben den nicht gemacht. Der kommt aus den Zentrale!“
In München hat der Klavierbauer Wagner an verschiedenen, hoffentlich regengeschützten Orten 14 Klaviere aufgestellt, auf dass jedermann, jedefrau, jedeskind darauf seine Virtuosität erprobe, vom Flohwalzer (geschützt?) über „Für Elise“ bis zur Mondschein-Sonate und viel Klimperkram. Jetzt erhielt die Firma Wagner eine gepfefferte Rechnung von der GEMA, genau genommen von deren Generaldirektor Algorithmus; denn es könne ja sein, dass die zahlreichen Möchtegern-Virtuosen GEMA-geschützte Werke gespielt haben. Zwar wisse man das nicht genau. Aber der Algorithmus, wissen Sie, da können wir gar nichts gegen machen. Da spielt es auch gar keine Rolle, dass die Freiluft-Pianisten kein Geld verlangt haben, vermutlich sogar pikiert reagiert hätten, wenn man ihnen was in die Mütze geworfen hätte.

Das erinnert mich an einen schweizer Witz. Zu einem Obstbauer kam ein Polizist. „Wir müssen Sie büssen!“ „Warum?“ „Sie haben Pflümlischnaps hergestellt!“ „Ich habe aber gar keinen Pflümli hergestellt, weil, ich habe gar keine Pflümlis!“ „Aber Sie haben eine Vorrichtung dazu!“ Der Bauer war sehr erschrocken; denn er hatte tatsächlich eine Destillieranlage im Keller.  Dann fragte er: „Herr Polizist, was steht denn auf Vergewaltigung?“ „Haben Sie auch ein Mägdelein vergewaltigt?“ „Nein, aber ich habe eine Vorrichtung dazu …!“ Wenn das der Algorithmus mitbekommen hätte.

Der Algorithmus forscht uns aus. Er liest z.B. diesen Text mit. Er muss das tun; denn er ist der dazu bestimmte Algorithmus. Das Wort „Vergewaltigung“ ist ihm vermutlich aufgestoßen. So, so, der WORTWERFER, gucke mal da! Mägdelein – oh, oh, oh! Pädophil auch noch. Hoffentlich stand der Witz nicht unter Urheberschutz! Bis bald!

Donnerstag, 30. Mai 2013

Zeitsparen mit WOZU




29. Mai 2013


Heute werfe ich ein kleines, aber äußerst nützliches Wort in meinen Blog:
W O Z U ?
Es ist ein Zauberwort, das Ihre und meine zeitliche Beanspruchung durch Lesen von Zeitungen, Zeitschriften und Informationen aller Art (also schlimmer Weise auch dieses Blogs!) wesentlich reduziert.
Stellen Sie sich vor, über der Überschrift eines jeden Artikels stünde in roten Versalien das Fragewort „WOZU?“. Es fragt: „Wozu willst du diesen Artikel lesen? Welchen Zweck verbindest du damit?“ Vielfältige Antworten sind denkbar:
- Weil diese Informationen sehr wichtig für mich sind!
- Weil mich dieses Thema interessiert!
- Es könnte sein, dass ich darauf angesprochen werde!
- Ich weiß noch nicht; vielleicht ist der Inhalt doch ganz interessant.
- Weil ich dieses Blatt abonniert habe; dann muss ich es auch lesen!

Als ich vor vielen, vielen Jahren Direktionsassistent eines Industriellen war, musste ich ihm um 8 Uhr eine Pressemappe reinreichen mit Ausschnitten aus den wichtigsten Print-Medien, geordnet nach drei Kriterien:
*** = Äußerst wichtig! Unbedingt sofort lesen!
**   = Wichtige Informationen!
*     = Interessant geschäftlich / privat

Heute bin ich mein eigener Direktionsassistent. Ich lese den SPIEGEL, die Süddeutsche, zahlreiche andere Publikationen. Dazu kommen eMails, fb, Twitter. Und natürlich Bücher. Dazu Fernsehen. Ich ertappe mich bei dem Gedanken, dass der neue SPIEGEL bereits im Kasten liegt, während ich den der vergangenen Woche noch nicht „ausgelesen“ habe. Da kam das Wörtchen WOZU angesegelt. Es setzte sich imaginär über jeden Artikel – und siehe da: Ratzfatz war ich durch! Kann ja sein, dass SIE das schon immer so machen. WOZU lesen Sie dann meinen heutigen Blog bis hierher? Vielen Dank dafür!

Übrigens: Kalte Regentage (um auch diese Wörter mal einzuwerfen) eignen sich gut zum Lesen. Spannend, mit klopfendem Herzen und vielleicht sogar ein paar Tränen zu lesen: Mein Roman „Das herbstrote Blatt“ (Shaker-Media Aachen, auch als eBook), ein Schicksal, überwiegend dem realen Geschehen nacherzählt. WOZU das lesen? Überhaupt keine Frage! meint der Wortwerfer. Weil es den Leser mit nimmt. „Da läuft ein Film vor einem ab. Es ist fast ein Drehbuch!“ So eine Rezensentin. Also: Film ab!

Montag, 27. Mai 2013

Gratulation Arjen Robben



  4 Grad auf der Terrasse

Guten Tag! Nun kann auch der Wortwerfer nicht umhin, erst einmal dem FC Bayern zur Championsship zu gratulieren und insbesondere dem Arjen Robben, der doch so oft den
P e c h v o g e l  gegeben hat. Ach, was gönne ich ihm den Triumph!

Erinnern Sie sich noch an meinen Blog über Herz und Bauch? In Montenegro las ich auf einer großen mahnenden Tafel an der Straße folgende Warnung:

D o n ʼ t   l e t   y o u r   b o d y   d r i v e  !

Dem ist meinerseits nichts zuzufügen. Allerdings verdanke ich meiner I n t u i t i o n – und die wohnt nicht in meinem Bauch – dass ich schon oft gefährliche Situationen voraus geahnt habe. Verdanke ich das meinem Stammhirn?

Einer meiner Leser meinte, ein Blog müsse einen N u t z e n  bieten, und das kurz und knapp. Welchen Nutzen? Wenn ich Tipps weitergeben kann wie den aus Montenegro, tue ich es gern. Der Wortwerfer will mit seinem Blog aber auch erheitern, will Alltägliches wie Aktuelles satirisch in die Luft wirbeln, will auch manchmal Nichtalltägliches einwerfen.

Mutmaßlich?

Das Wort, an dem ich immer häufiger Anstoß nehme, heißt  m u t m a ß l i c h ! Da steht ein grausamer Mörder mit blutigen Händen am Straßenrand und rühmt sich offenbar, mit einem Kumpanen einen englischen Soldaten niedergemetzelt zu haben, aber laut Nachrichtensprecher nur mutmaßlich? Hallo! Schreibe ich auch das hier nur mutmaßlich? Lebe ich am Ende nur mutmaßlich? Hat Platon mit seinem Höhlengleichnis doch recht? (Findet man bei Wikipedia in Google!). Es wimmelt vor mutmaßlichen Mördern, denen sozusagen noch das Blut von den Händen trieft. Der Jurist moniert: Es könne sich ja um Totschlag handeln oder um Verkettung unglücklicher Umstände. Auch mildernde Umstände könne es geben. Da müsse man ganz, ganz vorsichtig sein. Erst ein Richter kann ein Wort wie mutmaßlich in tatsächlich verwandeln. Er ist also ein Wort-Umwerfer.

Ich schreibe erst bei Sonne weiter. Bis dahin durchhalten! Ihr Wortwerfer

Donnerstag, 23. Mai 2013

Grenz-Erfahrungen





Wer nach sieben Tagen traumhaften Wetters in traumhaften Landschaften rund um Dubrovnik wieder genötigt wird, auf dem Münchner Flughafen aus dem Flugzeug zu steigen, gewinnt eine Vorstellung davon, was schockgefroren bedeutet. Immerhin soll das die Haltbarkeit erhöhen.

Das erste Wort, das ich heute einbringen möchte, heißt  Z e i t u n g . Das Iberostar-Hotel „Albatros“ in Cavtat schmückt sich mit 4 Sternen. Es ist zweifelsohne ein gepflegtes Haus in bester Lage mit äußerst freundlichen dienstbaren Geistern und allem Drum und Dran. Aber es gibt keine Zeitungen! Es gibt auch im Ort keinen Laden, in dem man eines der internationalen Journale erwerben könnte. Das Zeitungssterben hat hier schon stattgefunden. Offenbar ist man der Meinung, wer bei Meerblick, Baden im Pool, Schiffchenfahren und Genießen das seltsame Bedürfnis empfinden sollte, Zeitung zu lesen, soll dieses Verlangen gefälligst per App in einem Pad stillen. Ohnehin weht ständig einer der Winde – der wilde Jugo, die kalte Bora oder der Mistral – und würde einem das Blatt aus den Händen reißen. Dabei gehörte doch das genüssliche Zeitunglesen beim Urlaubsfrühstück einst zur Lebenskultur. Vorbei?

Der nächste Wurf gilt dem Wort  G r e n z e ! Fährt man die wildromantische Uferstraße von Dubrovnik nach Nordwesten, muss man einen winzigen Schnippel Herzegowina durchqueren, nämlich 3 Kilometer. Also sind zwei Grenzübergänge zu bewältigen, was offenbar Verwaltungssakte auslöst, die man als gigantisch bezeichnen möchte, will man sich dieses Attribut nicht aufsparen für den späteren Grenzübergang bei Metković in Richtung Mostar. Es dauert und dauert. Irgendwas geschieht mit den Pässen. Bin ich in einer Verbrecherkartei? Will ich auf den 3 Kilometern die Regierung stürzen? Schaut der in Schräglage verharrende, seinen Pflichten nachgehende Uniformierte, ob ich in facebook bin und wen ich da kenne? Aber – wie bereits avisiert – ist das nichts, wenn man die Vermessenheit besitzt, abermals die Grenze nach Bosnien-Herzegowina in Richtung Mostar zu überqueren. Der Reiseleiter weiß von bis zu einer Stunde Wartezeit zu berichten. Erinnerungen an Helmstedt werden wach oder an die Grenzen nach Kaliningrad. Die Bezeichnung „grenzwertig“ gewinnt an Bedeutung. Nicht etwa, dass der Andrang groß wäre. Aber macht sich nicht, wer nach Bosnien-Herzegowina einreisen möchte, schon allein dadurch verdächtig? Jedenfalls sind hin und zurück bei diesem Ausflug sechs fühlbare Grenzübergange zu bewältigen. Die Liebe zur Grenzenlosigkeit der EU wallt auf!

Nicht weit vom Hotelstrand liegen zwei schneeweiße Super-Yachten auf Reede. Sehr dekorativ. Die Unterhaltungskosten pro Tag dürften mit meinem Jahreseinkommen harmonieren. Es ist aber nix los da, außer, dass Teile der Crew damit beschäftigt sind, die Bordwände zu schrubben. Manchmal öffnet sich eine große Klappe, dann sieht man weitere Motorboote im Rumpf des Schiffes. Mit dem kleinsten davon holt jemand gelegentlich abends nach dem Dunkelwerden eine Flasche Bier von der Hafenkneipe. Was sonst?

Im nächsten Blog geht es um Blogs. Bis dahin – zieht Euch warm an! Euer Wortwerfer

Montag, 13. Mai 2013

Aus dem Bauch entscheiden?





Gestern hat der Wortwerfer sein Herz in den Blog geworfen und sich mit dem großen Aristoteles gezankt. Heute ist erst mal der Bauch dran; denn so wie wir uns von Herzen freuen, entscheiden wir uns häufig aus dem Bauch. Bei manchen Entscheidungen beschleicht uns ein Bauchweh. Das ist allerdings tatsächlich so. Genau wie wir beim Anblick einer attraktiven Frau oder bei einem spannenden Fußballspiel Herzrasen bekommen. Damit hier „gendermäßig“ kein Unheil passiert, nehme ich mal an, dass eine Frau beim Anblick eines imponierenden Mannes Herzrasen spürt, wenn nicht gar Schmetterlinge im Bauch flattern. Das Herz und der Bauch reagieren auf Botenstoffe, die das Gehirn aussendet. Nicht umgekehrt. Es kann uns auch eine Laus über die Leber laufen. Es geht uns was an die Nieren, dreht uns den Magen rum, schlägt uns was auf den Darm, es kommt uns die Galle hoch. Das ist alles dem Genius geschuldet, den wir da oben im Kopf mit uns herumtragen. Damit aber der Wortwerfer nicht zum Klugscheißer wird, sei damit die Innereien-Betrachtung beendet. Was der Aristoteles da angerichtet hat, lässt sich ohnehin nicht mehr reparieren, und schließlich sieht so ein Herz, wie es graphisch überaus schmeichelnd dargestellt wird, besser aus als eine total verknitterte graue Masse.
Ich habe im übrigen mein Herz (= Gehirn) an – und nicht in – Dubrovnik verloren, wo ich die nächsten Tage verbringen werde. Ich werde Ihnen also über Pfingsten keine Zeit stehlen. Der Aufenthalt dort ist nicht ganz ungefährlich. Direkt vor dem Hotel in Cavtat liegt die bei einem Erdbeben im Meer versunkene antike Großstadt Epidaurus. Davon gibt es zwar woanders noch eine, aber diese hier dient uns als Warnung. Jemand gab uns den Tipp, man sollte in Erdbeben-Gebieten besser unter dem Bett als im Bett schlafen. Kann ich mich nicht mit anfreunden.
Aber Erdbeben haben wir auch hier: Die Straße wird aufgerissen, um neue Wasserrohre zu verlegen. Danach kommen die Rüttel-Verdichter und es tanzen bei uns die Gläser im Schrank.
Die evangelische Zeitschrift chrismon hat schon im Juni letzten Jahres darauf hingewiesen, dass das mit der Ausgießung des Heiligen Geistes zu Pfingsten, mit den hübschen Feuerzungen, die sich auf die Multikulti-Gesellschaft damals herabgesenkt haben, nur eine schöne Erzählung ist, die sich der Evangelist Lukas da ausgedacht habe. Andere meinen, gerade der Hl. Geist habe ihm diese Frohbotschaft diktiert. Wäre aber eine tolle Innovation, wenn wir von nun an auch alle Menschen in unserer Sprache reden hörten, die „in fremden Zungen reden“. Dubrovnik würde sich da zu Pfingsten gut für einen Probedurchlauf eignen. Frohe Festtage!
Auf Wiedersehen, Ihr Wortwerfer

Samstag, 11. Mai 2013

Herzchen? Hier irrt Aristoteles!




12. Mai 2013 Muttertag


Heute ist wieder so ein Herzchen-Tag! Folgerichtig wirft auch der Wortwerfer das Herz in den Blog. Valentinstag, Muttertag, Hochzeitstage … lauter Herzchentage! Hallo, ihr Kardiologen, habt ihr schon mal in der Pumpe so was wie Liebe gefunden?
Wie komme ich da jetzt auf Aristoteles (384 - 322 v. Chr.)? Er, der Größte neben Platon  und Sokrates hat die Geisteswelt des Abendlandes unzweifelhaft enorm bereichert. Gilt er doch als der Vater der Logik. Und es gibt kaum ein Gebiet der antiken Wissenschaften, in dem er sich nicht getummelt hätte: Rhetorik, Dichtkunst, Staatskunst, Philosophie, Physik und .... ja Biologie. Da beginnt unser Problem, das uns Heutigen noch schwer zu Herzen geht.
Der Philosoph, Wissenschaftler und Arzt Hippokrates - auch er ein Grieche - hatte rund 200 Jahre vor Aristoteles in seinem Werk „Corpus Hippocraticum“ nämlich Folgendes kund und zu wissen gegeben:
„Ich glaube, dass das Gehirn eine sehr große Macht im Menschen besitzt .... Die Menschen müssen wissen, dass von nirgends anders her Freude und Frohsinn, Lachen und Scherzen kommen als daher, woher auch Trauer und Kummer, Missmut und Weinen herrühren.
Durch dieses Organ denken, sehen und hören wir und beurteilen das Hässliche und das Schöne, das Schlechte und Gute, das Angenehme und Unangenehme ....
Durch eben dieses Organ geraten wir aber auch außer uns, treten Ängste und Schrecken an uns heran, ebenso Träume, unzeitige Irrtümer, unbegründete Sorgen ....
Das Gehirn verstehen heißt, die Natur des Menschen verstehen.“*
Papperlapapp, meinte Großmeister Aristoteles zweihundert Jahre später. Hahaha - das Gehirn ist vielmehr eine Art Kühlaggregat, mit einer riesigen Oberfläche und vielen Kühlrippen ausgestattet, um das im Herzen erhitzte Blut abzukühlen. Dafür sei es ja unter der Schädeldecke gut und luftig aufgehoben, und durch die Fontanellen könnte es sozusagen auch Dampf ablassen. So behält man bis in die heutigen Tage einen kühlen Kopf - sic!
Alles aber, was Hippokrates dem Gehirn zu- und angemutet habe, finde vielmehr im Herzen statt. Das Herz sei sozusagen die Schaltzentrale für alle unsere Gefühle, sei der Ort unserer Sinne und Seele und überhaupt. Was leider falsch ist.
Und weil der Prominentere unter den Prominenten immer Recht behält, grüßen wir uns heute herzlich, haben uns von Herzen gern (oder nicht). „Dein ist mein ganzes Herz“ singt der Tenor (und nicht der Organspender). Wir schütten unser Herz aus und verlieren es in Heidelberg. Es könnte auch herzzereißend zugehen. An Muttertagen überschwemmen uns Myriaden von Herzen und Herzchen aus allen verfügbaren Materialien. Auch das Oktoberfest und die Lebkuchenbäcker stünden doof da. Die Liebe käme ohne Herzen in arge Verdrückung.
Man stelle sich mal vor, Hippokrates hätte sich – mit Fug und Recht! - gegen Aristoteles durchsetzen können und wir hätten uns gehirnlich gern, wir grüßen gehirnlich und verzierten Muttertagsgebinde mit knuddeligen Gehirnchen. „Dein ist mein ganzes Gehirn“ .... schmettert der Tenor - und hätte auch noch Recht!
Aristoteles muss sich immerhin anrechnen lassen, dass er die Gehirnforschung um sage und schreibe 2000 Jahre in Verzug gebracht hat. Aber so ist es nun mal, wenn man Prominenz mit Kompetenz gleichsetzt. Oder - um es mit Aristoteles zu formulieren: „Es gibt kein Genie ohne einen Schuss Verrücktheit!“
Schönen Muttertag noch! wünscht der Wortwerfer.

*)zitiert nach Rolf W. Schirm „Die Biostruktur-Analyse“, Baar 1990